Der steinige Weg zur Selbstliebe

Selbstliebe - Papierrolle
Mehr als nur eine Papierrolle
Das ist eine Papierrolle, liebevoll eingepackt und wurde mir so übergeben. Das ist aber nicht nur eine schnöde Papierrolle. Sie hing ausgerollt bei unserer letzten Zusammenkunft der Kunsttherapie-Gruppe “Wege der Selbstliebe” an meinem Rücken (andere hatten ebenfalls eine Papierbogen am Rücken). Nun konnte jeder der Teilnehmer_innen etwas auf den Bogen niederschreiben. Am Schluß wurde der Bogen abgenommen, zusammengerollt, schön verpackt und übergeben.

Nun habe ich mir gedacht, daß ich diese Rolle nach meiner GaOP (geschlechtsangleichende Operation) öffne. Sie ist quasi mein erstes Geschenk als “Frau” (bin ich ja schon, es wissen nur die wenigsten). Aber vielleicht steht da ja auch etwas, was ich gut auf den Weg zur OP gebrauchen kann, vielleicht gibt es ein Seelenpflaster oder auch zwei. Vielleicht auch ein ganz großes, denn der Weg zur “Selbstliebe” ist so einfach für mich nicht (gewesen), hat schon seine Spuren und Narben hinterlassen.

Wege der Selbstliebe

Ein liebgewonnenes Gruppenmitglied (weibl.) hat ihren Weg gefunden, zumindest weiß sie nun, wo sie sich findet. Sie hat mit ihrem Sohn einen Kraftplatz gefunden, entdeckt neue Wege zu sich und weiß: Niemand ist für das eigene Glück verantwortlich, schon gar nicht der/die Wegbegleiter_in. Und das wiederum zeigt auf, man sollte sich auf gewisse Dinge einlassen, auch wenn sie anfangs schmerzen. Das ist nicht immer einfach. Andere Dinge, wo man merkt, daß sie einem nicht gut tun, sollte man weglassen bzw. wegwischen. Sie zerstören nur, auch eine Freundschaft. Zuviel “Selbstliebe” kann auch zerstörerisch auf andere wirken, ohne das man es merkt bzw. will.

Es ist ein langer steiniger Weg zur Selbstliebe, besonders dann, wenn man in jungen Jahren gegenteiliges anerzogen bekommen hat. Selbstliebe ist egoistisch. Erst kommen die Eltern, dann deren Eltern, dann die Geschwister, Verwandte… So geht es munter weiter bis man am Ende zerstört am Abgrund des Lebens liegt. Keine Liebe mehr für sich vorhanden. Das Seelenwasser wird deswegen bei der Aufarbeitung, bei der Wegfindung, ein ständiger Begleiter sein, was keine Schande ist. Es reinigt und hilft den Weg zu sich zu finden. Auch jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, bebt es in mir, krampft sich alles in mir zusammen. Ich habe derzeit wenig Kraft, um mein Maltagebuch anzufangen. Ich finde nicht den Zugang dazu. Vielleicht morgen. Milchreis kochen ist jedenfalls einfacher *lächelt ein wenig*

Derzeit gibt es im Handel von Geo Wissen ein Begleitheft. Vielleicht genau das, was Mann und Frau zu Beginn der langen Reise braucht.

PS: Ich werde die Rolle vielleicht an meinem Geburtstag öffnen, das letzte Wiegenfest als… Naja, wißt schon. Danke für’s reinschauen. smile