Pride Flag
Original Pride-Flag in Darmstadt

Den Regenbogen als gesellschaftliches Symbol gibt es nicht erst seit dem der amerikanische Künstler Gilbert Baker ihn für den Gay Freedom Day 1978, den Vorläufer späterer Gay Prides, für den lesbischen und schwulen Stolz, sowie für die Vielfalt der Lebensweise von Lesben und Schwulen kreierte. Mit acht Farben schenkte Gilbert in San Francisco 1978 die Pride Flag der LGBT-Community.

Die Symbolik im Regenbogen

Fragt man die Menschen, die sich unter der Regenbogenflagge versammeln, die sie schwenkend auf einem CSD- oder Dyke*Marsch zeigen, so bekommt in den aller seltensten Fällen eine richtige Antwort, auch nicht eine, die die Richtung aufzeigt.

Nach Issac Newton lässt sich weißes Licht durch ein Prisma brechen (Bildbeigabe Plattencover Pink Floyd). Auf diese Weise entstand Newtons Farbkreis mit den sogenannten Spektralfarben – 7 an der Zahl. Diese bestehen aus den Farben des Regenbogens: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett. Die Zahl 7 ist auch eine besondere Zahl. Sie ist nicht nur magisch, sie kommt u.a. auch in der Musik vor: 7 natürliche Noten (Stammnotennamen) müssen es sein.
Die heutige Wissenschaft sieht das allerdings ein wenig anders. Einige Forscher gehen zunehmend von einem Sechsfarbenspektrum aus. Indigo braucht es nicht wirklich, wie Pluto auch…

Regenbogenfarben
Das Farbspektrum
(Regenbogen nach Isaac Newton und Gilbert Baker)

In der richtigen Reihenfolge bedeuten die heutigen Farben in der Pride-Flag:

|| Rot = Leben | Orange = Heilung | Gelb = Sonne (Licht) | Grün = Natur | Blau = Harmonie (Gelassenheit/Klarheit) | Violett = Geist (Seele) ||

Bei Gilbert Baker waren anfangs die Farben Türkis (Kunst) und Pink (Sexualität) dabei. Diese wurden später weggelassen. Zum einen konnte die Farbe Pink nicht in der nötigen Masse produziert werden, zum anderen wollte man eine gerade Anzahl von Streifen haben. Deswegen musste auch das Türkis weichen.

Soweit die Grundlage der bisherigen Farben im Regenbogen der Pride Flag …

Die (Ballroom) »Progress Pride Flag« (POSE)

Progress Pride Flag
Wird seit 2020 hierzulande mit fragwürdiger Symbolik hochgehalten
Frei nach der Netflix-Serie »Pose«

Wenn es der Menschheit zu gut geht, fängt sie an … so auch die Regenbogencommuity. Nachdem das »A« in der Buchstabenformation LGBTIQ angehängt und mit einer Phobie versehen wurde (was nicht ist, kann man ja herbeireden), gibt es nun ein Update in der Pride Flag, eine Zugabe in Form eines Keils im Regenbogen der Harmonie.
Der Keil, ein zerstörerisches Werkzeug, mit dem seit der Steinzeit auch Megalithen geformt wurden, findet mit verschiedenen Farben Einzug. Und damit es nicht langweilig wird, sind weitere findige »Designer« zur Stelle, um zu zerstören, was vorher in Harmonie 40 Jahre nicht nur Rathäuser schmückte (Keil → siehe Lehre des Wing Tsun Concepts).

War die Netflix-Serie »Pose« die Geburt der sogenannten Progress Pride Flag? Man weiß so wenig, man munkelt halt viel.

POSE
POSE:
AIDS – People of Color – Trans*

Die neue Farbenlehre in so mancher »Pride Flag«

Regenbogen - Prideflag
Progressive Prideflag
(Dominanz ausdrückend)

| Schwarz = Opfer von HIV (AIDS)
| Braun = People of Color (“farbige” Menschen, nicht weiß, weiß ist keine Farbe, sondern ein Zustand)
| Hellblau – Rosa – Weiß = Transgender
| Gelb mit violettem Kreis = Inter*







Braucht es die Farbe Schwarz in der Pride Flag?

Nein! Wir von der Aids-Hilfe haben zum Gedenken der Opfer die rote Aids-Schleife (Red-Ribbon). Die rote Schleife kann ich jeden Tag tragen, der Opfer gedenken, meine Solidarität mit den Betroffenen bekunden, sogar auf dem Vielfalt-Presseball in Wiesbaden; ganz ohne Regenbogenfahne und mit tiefem Bewusstsein um das Leid der Opfer.
Den Opfern eines Virus mit Technomusik und viel Heiteitei gedenken?
Coole Idee. facepalm Vielleicht den Frankfurter CSD an Haus 68 vorbeiführen?

Diese plötzliche Anteilnahme erzählt mehr über die Community, als ihr lieb sein kann.
Den 1.12. immer verpennt, achselzuckend hingenommen?

Braucht es die Farbe Braun in der Pride Flag?

Nein! Ursprünglich kam die braune Farbe in der Pride Flag aus Philadelphia, um den dunkelhäutigen Menschen (People of Color) einen Ort der »Willkommenskultur« zu geben, sie wissen zu lassen: Ihr gehört zu uns. Dort ist es ok, auch die erweiterten Formen. Hierzulande, mit der deutschen Nazivergangenheit, nicht.

Und hier scheitert dann auch jegliche Übersetzung.

Braun war die Kennfarbe der Nationalsozialisten während der NS-Diktatur.
Das «erdige» Braun wurde bereits 1925 zur Farbe der rechten Bewegung erklärt und später als Ausdruck besonderer Verbundenheit mit Heimat und Boden gedeutet. Sie wurde eher zufällig gewählt, angeregt von Freikorpsuniformen sowie in Abgrenzung zum Rot der Kommunisten und zum Schwarz der italienischen Faschisten.
Braun waren etwa die Uniformen der Sturmtruppe SA, die in der Bevölkerung Angst und Schrecken verbreitete. Besonders durch Massenaufmärsche im «Braunhemd» wurde die Farbe in der Öffentlichkeit schnell zum Symbol für den Nationalsozialismus.

Für die SS wurde im Unterschied zu den braunen Uniformen für die meisten NS-Gliederungen eine durchweg schwarze Uniform mit minimalen Weiß- und Silber-Tönen vorgeschlagen. Als Vorbild diente hier, wie schon bei der Wahl des Totenkopfsymbols, vermutlich die bis 1910 getragene schwarze Uniformfarbe der Totenkopfhusaren. Diese schwarze Uniform wurde schließlich zum Vorbild für die späteren „Dienstuniformen“ der Reiter-SS, der SS-Verfügungstruppe und der SS-Totenkopfverbände. (Allwissende Müllhalde)

Die Kombination »schwarz-braun = die Haselnuss” ergibt das Volkslied der Hitlerjugend.

Hier ist der LGBTIQ-Community, die sonst jeden falschen (gender-)Queerstrich als diskriminierend anprangert, jegliches Feingespür für die Farbenproblematik verloren gegangen.

Braucht es die Transgender Farben in der Pride Flag?

Nein! Zum einen haben Trans* ihre Farben in einer eigenen Fahne, zum anderen die Frage: sind Trans*, in der Regel als Dragqueens auf einem CSD ausgeschildert, etwas Besonderes, weswegen es diese Art Bevorzugung einer Geschlechtsidentität gegenüber anderen braucht? In der Regel definieren sich Trans* nicht als Trans*, sondern als Frau, Mann, mit den einhergehenden Stereotypen, vielleicht noch non-binär. Bei Dragqueens und queeren Schausteller_innen sieht es vielleicht anders aus. Und schwarz-braun über den Trans*Farben hat auch eine gewisse Symbolik. Stichwort: transvestitische Subkultur / Bipolares Geschlechtermodell (Nachkriegszeit).

Braucht es die Intergeschlechtliche Farben in der Pride Flag?

Nein! Auch diese Gruppierung hat ihre eigene Flagge und zum anderen brauchen sie auch keine besondere Hervorhebung. Gleiche Problematik mit schwarz-braun trifft auch hier zu. Schon mal die Gedenkstätte Hadamar besucht? Die Frage nach »wie viele Inter*Menschen dort ihr Ende fanden«, kann geschichtlich nicht fundiert beantwortet werden (siehe Tötungsanstalt Hadamar).
1939 wurde die Meldepflicht auf schwere Missbildungen, ohne Vorliegen einer Erbkrankheit, ausgeweitet. Diese Meldungen waren die Grundlage für die sogenannte Kindereuthanasie, der mehr als 5000 Kinder zum Opfer fielen. Allgemein muss festgehalten werden, dass die Nationalsozialisten die gewaltsame und mörderische Umsetzung der rassenhygienischen Agenda im Laufe ihrer Herrschaft immer drastischer betrieben.

Immer noch Lust auf die »schwarz-braune -Farbenpracht im Regenbogen«? Oder Sehnsucht nach 2019, wo diese Flagge weder in Kassel, noch in Frankfurt, noch auf einem CSD in Darmstadt zu sehen war?

Wir haben mehr braunes Volk als People of Color unter uns!

Regenbogenfahne als Fußabtreter erlaubt
Rechte drückten in Erfurt ihre Verachtung für Homosexuelle aus. Verwaltungsgericht Weimar hatte die Aktion ermöglicht (ND)

Studie zu rechter Gewalt in Thüringen: Vier Betroffene pro Woche
„2021 haben wir in Thüringen 119 Angriffe mit 207 betroffenen Menschen registriert. Das sind zusammengenommen mindestens vier Betroffene pro Woche.“ (Franz Zobel von der Thüringer Opferberatungsstelle ezra/taz)

Vorschlag zu guter Letzt

Mit dem Hinweis auf eine männliche Dominanz in der queeren Community wurde mir die Begründung aus Frauen*mund (Terf in Spee) der Vielfaltstätte in der Klingerstraße Frankfurt gereicht: “Und deswegen bin ich für die progressive Pride Flag.”
An anderer Stelle, im AMKA in der Mainzer Landstraße (Frankfurt), wurde in einer feministischen Anmerkung sogar der »weiße CSD« abgelehnt.
(Anm.: die Progress Pride Flag ist aber auch aus weißer Hand)

Nachfrage: Wer hindert die dunkelhäutigen Menschen an einem “weißen” CSD mitzulaufen, “weiße” Örtlichkeiten durch ihre Teilnahme am queeren Geschehen aufzufrischen? So wird ihre Außenwelt immer weiß bleiben.

Arsch huh, Zäng ussenander! yes

BIPOC*-Ally Pride
BIPOC*Ally
Damit ich nicht missverstanden werde: Es kann sich jede_r ihre/seine eigene Pride Flag basteln, zuschneiden, zusammennähen, unter ihr laufen, so wie es die Querdenkerkultur mit ihren Symbolen handhabt (u.a. Davidstern mit Ungeimpft-Schriftzug) oder die Geimpften mit einem “Ich bin geimpft”-Armband.
Wenn ihr mit stolz Eure schwarz-braune Identität durch die Straßen tragen wollte, ok, verlauft euch dabei aber nicht.

Die Rassismus-Problematik

Was auf amerikanischen Boden unter dem Label Rassismus und Diskriminierung geschah, weswegen es die Regenbogenfahne von Gilbert Baker gibt, muss ich hierzulande nicht 1:1 übernehmen. Ich muss auch nicht ständig indirekt auf den amerikanischen Rassismus deuten, den Kampf gegen diesen aufzeigen (Stonewall-Aufstand 1969), Geschichtsversessen ausweiden (schwarze Frau, Trans* etc.).
Unsere Vergangenheit mit einhergehender Gegenwart wird dabei in queeren Geschichtsspektren übergangen, und da, wo es wirklich weh tut, auch im Jahre 2022, wird weggeschaut, vieles galant charmant ausgeklammert.
(Stichwort u. a.: Deutscher Kolonialismus in Afrika, Nazi-Gerichtsbarkeit im Nachkriegsdeutschland, Trans- und Homofeindlichkeit mit einhergehendem Rassismus der multikulturellen Gesellschaft oder aber auch “Deutsche Müllhalde Afrika”).

Deutschland war der Hinterhof Amerikas (ist es hier und da immer noch). Wir müssen nicht alles ohne zu hinterfragen von dort übernehmen. Auch nicht das, was dort und in hiesigen Hochschulen/Universitäten ausgebrütet wird — betrifft besonders die (Schrift) Sprache.

Mein Engagement wird dort gänzlich zurückgefahren, wo diese Flagge zum Einsatz kommt, denn was vorher eine schöne, harmonische, für alle geltende, nicht diskriminierende Lebensphilosophie mit sechs Regenbogenfarben war, ist nun ein verkümmertes identitäres schwarz-braunes Geschlechtergestammel — und das, wo doch schon am liebsten gestern die Geschlechter abgeschaffte werden sollten.

Was wäre denn, wenn es so kommt, wie kürzlich vom BVT* erörtert?
Welche »fortschrittliche« Farben kommen dann als Ersatz für die Geschlechtsvariante und der Geschlechtsidentität aus dem Regenbogenlager? Mein Vorschlag liegt auf dem Tisch (inkl. der heutigen deutschen Politik gegenüber der afrikanischen Kultur). Hier ist ansatzweise derzeit eine Besserung mit der Rückgabe geraubter Kulturgüter auszumachen.

Streicht am besten das Wort »Regenbogen« aus eurem Sprachschatz, denn “Schwarz-braun – *summt* – ist die Haselnuss” und nicht im Regenbogen vertreten — weder bei Isaac Newton, noch bei Gilbert Baker und schon gar nicht in der Natur »von Gott gegeben« auszumachen.

Pride Flag
(meine Regenbogenfahne)
Greenepeace hat notfalls auch noch welche

Schlusssatz
Bei meinem letzten CSD-Besuch – in Kelkheim – stand die Party im Mittelpunkt der jungen Generation, was auch ok ist, denn das lebensbeinhaltende Engagement kommt dann in der Hochschulzeit. wink
Es gab dort eine flammende Rede der Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowiki: Ehrlich, direkt und voller Leidenschaft. good

In diesem Sinne.

PS: Ich werde weder beim CSD in Frankfurt, noch in Hanau, noch beim heutigen Dyke-March in Frankfurt mitlaufen. Der CSD in Darmstadt steht auf der Liste und noch der CosDay im NWZ. Ist entspannender.

bye2


Nachtrag 26.07.2022
Mittlerweile steht die Farbe schwarz auch für schwarze Menschen. Damit sind nicht die Schornsteinfeger:innen gemeint.
Schwarze Menschen bezeichnen sich nicht als “People of Color (PoC)” sondern als “Black People”.
Tjo, so ist’s in Amerika, nun auch hierzulande – aber nicht überall.

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