Als ich Anfang dieser Woche auf einem Seminar im Schloss Rauischholzhausen war, ein Tag das Thema „Trans* und Intersexualität“, ein anderer Tag das Thema “”Queere Geflüchtete” auf der Tagesordnung stand, wurde ich auf dem Heimweg gefragt: „Bist du glücklich?“ Ich antwortete: „Was ist Glück?“
Normalerweise sollte man eine Frage nicht mit einer Gegenfrage beantworten, aber manchmal kommt man nicht drum herum nachzufragen, damit die Antwort nicht missverstanden wird.

 

Das flüchtige Glück

What is Happiness?
Was ist Glück?

Glück definiert sich auf vielfältige Art. Die einen sehen ihr Glück in einem komfortablen Leben, andere wiederum definieren ihr Glück in einer Momentaufnahme (Beispiel: Die Begegnung mit einem anmutenden Wesen aus der Natur) und wiederum andere mit ihrer Gesundheit.
Nun hält das Leben viele Höhen und Tiefen bereit, die zu bewältigen sind. Es kommen die Tage, die sich in stillen Momenten einstellen, wo man zurückblickt – mit Wehmut, mit Traurigkeit, vielleicht auch mit einem Lächeln. Man schaut in die nahe Zukunft, betrachtet sich im Spiegel und fragt sich vielleicht:

Wie geht es dir heute? Wie verletzt warst du, was ziehst du daraus und bist du bereit, deine verletzliche Hülle wieder für jemanden zugänglich zu machen?

Nun bezog sich die Fragestellung auf den Werdegang meiner zurückliegenden Transition. Ich für mich kann aber das eine von dem anderen nicht trennen, denn beides ist miteinander verbunden. Vor den Operationen verspürte ich, was es bedeutet, glücklich zu sein. Allerdings war dies kein vollkommenes Glück. Dieses Glück bekam ich nicht geschenkt, denn ich bezahlte dieses Glück mit Seelenschmerz.
Ich habe neben einem Menschen gelegen, und geweint, einen unsäglichen Seelenschmerz verspürt und ich wusste nicht, warum meine Seele „aufschreit“. Heute ahne ich den Grund, nur, in jener Zeit konnte ich den Aufschrei nicht einordnen, die Fragen nicht beantworten, denn vom Gefühl her hätte es anders sein müssen.

 

Vertraue deiner Weiblichkeit

Ich bereue die vielen geschlechtsangleichenden Operationen nicht, fühle mich gut, hegte nie einen Gedanken an ein Zurück (wohl auch wissend, dass dies nicht geht). Obwohl ich das Ergebnis noch nicht genau betrachtet habe – viele Transmenschen machen das ja – spüre ich, es muss gut geworden sein.
Zum einen sind wir beide ein gutes Team, achten aufeinander, gehen sorgsam miteinander um (was ich gebe, bekomme ich auf anderer Weise zurück) und zum anderen sind die ärztlichen „Begutachter:innen“ bei einer Untersuchung oft begeistert. Die Damen können dann nicht anders, als mir von Frau zu Frau mitzuteilen, weil sie Ahnung als Frau haben, dass es ein Kunstwerk geworden ist.
Ich lächele dann, bedanke mich und nehme dieses Kompliment mit heim, nicht ohne auf den „Künstler“ hinzuweisen. Und nein, dieser ist inzwischen in Rente. Vielleicht kommt irgendwann mal der Tag, wo ich mir das Ergebnis genauer anschaue. Aber dies muss nicht sein. Ich spüre, dass es gut ist – so und so. Und wenn der Moment kommt, dann wird er besonders zelebriert.

Das ist nun die eine Seite. Mittlerweile hat sich die Seele beruhigt, ist auf dem Weg in ruhigere Fahrwasser. Den jetzigen Seelenzustand werde ich jedenfalls nicht durch leichtfertige Abenteuer, gar durch eine Art flockige Freundschaft+ aufs Spiel setzen, denn der Heilungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Noch kann ich nicht steuern, was ich bereit bin zu geben, was ich geben kann, ohne selbst daran zu zerbrechen. Noch ist alles sehr verletzlich, und noch ist alles längst nicht so gefestigt, wie es Welt 2017 bei mir vorgefunden hat.
Ich muss aufpassen, so mein Bauchgefühl, achtsam mit mir, der Seele umgehen, da sich ein erneut einstellendes Chaos wieder auf das körperliche Befinden und den Seelengeist auswirkt, womöglich das endgültige Ende einläutet.
In stillen Momenten bin ich oft traurig, fließt das Seelenwasser, aber, diesen Schmerz nicht mehr zu spüren, das kann ich als Teil meines “glücklich” sein bezeichnen. Insofern ist mein Jetzt, ok wie es ist.

Dazu beigetragen hat neben meinem Umfeld, die Musik und vor allem die wieder gefundene Nähe zum Mond und den Baumgeistern mit ihren Geschichten.

Baumgeister
Das innere Glück:
Unter Freunden


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